Dieser antike Gonfalone
(Fahne) umfaßte die Bevölkerung der Pfarrgemeinde von San Jacopo
und zum Teil von Santa Felicita und San Frediano. Seine Grenzen gingen
von der Piazza Frescobaldi bis zur Ponte Vecchio und von der Piazza S.
Felicita die Costa de´Magnoli und Costa San Giorgio entlang bis zum
Forte Belvedere; an den Mauern des Boboli-Gartens entlang gehen die Grenzen
weiter bis zur Via Guicciardini und dem Sdrucciolo de´Pitti, von
dort biegen sie den Presto di San Martino ab, bis zur Piazza Frescobaldi.
Von dieser Stadttour schließen wir den Anstieg von der Piazza Santa
Felicita zum Forte Belvedere, die Costa San Giorgio entlang, aus, aber
wir empfehlen diesen Anstieg trotzdem denjenigen, die von den höchsten
Stufen der mediceer Burg aus das zauberhafte Panorama auf die ganze Stadt
genießen wollen.
Unsere Tour beginnt mitten auf der
Ponte Vecchio, von wo aus man auf beiden Seiten den Arno entlang sehen
kann; diese Brücke ist die einzige, die von der Zerstörung des
Krieges und von dem schlammigen Wasser der Überschwemmungen verschont
blieb. Ponte Vecchio ist eine der berühmtesten Brücken der Welt,
die zum Symbol der Stadt Florenz geworden ist. Seit dem dreizehnten Jahrhundert
befinden sich auf der Brücke
die berühmten Werkstätte
und Geschäfte der Metzger, Gemüsehändler und, vor allem,
der Goldschmiede und Juweliere. |
Via del Leone
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Die Goldschmiederei wird seit dem XI
Jahrhundert ausgeübt und die strengen Gesetze der Qualitätsgarantie
gelten seitdem.
Feine Meisterwerke der Heiligen
Kunst und der wertvollen Schmuckstücke, die in berühmten Werken
der Malkunst dokumentiert werden, geben uns einen Einblick und einen Maßstab
der einzigartigen florentinischen Geschicklichkeit, die in der berühmten
Abhandlung des Cellini über die Goldschmiederei erwähnt wird.
Dann gehen wir an dem Turm Torre
dei Mannelli, um den oben herum der Corridoio Vasariano entlangläuft,
vorbei und überqueren die Piazza dei Rossi, auf der sich Reste von
mittelalterlichen Türmen neben modernen Gebäuden, die von der
Zerstörung durch den Krieg 1944 zeugen, befinden. Elegante Geschäfte
verschiedener Art laden den Besucher zum Bummeln ein, um Handschuhe, Ledersachen,
Schuhe und Kleidungsstücke zu betrachten und zu kaufen. So erreichen
wir die Piazzetta di Santa Felicita, auf der eine Säule an die religiösen
Konflikte des dreizehnten Jahrhunderts zwischen den Ketzern und den Anhängern
des San Pietro, den Märtyrer, hinweist.
Die Santa Felicita Kirche, die auf
der Oberfläche einer frühchristlichen Basilika aus dem vierten
Jahrhundert errichtet wurde, wurde mehreren Renovierungen und Umstrukturierungen
ausgesetzt und wurde anschließend die Kirche der Medici und der Lorena,
die dem Gottesdienst im Vasarian - "Choretto" (kleiner Balkon, der auf
den Innenraum der Kirche zeigt), oberhalb des Säulengangs der Vorderseite,
beiwohnten. 1736 vermittelte Ferdinando Ruggieri der Kirche die architektonische
Klarheit, die man heute bewundern kann. In der ersten Kapelle, auf der
rechten Seite, malte der sonderliche Maler und Manierist Jacopo Pontormo
für die Familie Capponi die "Deposizione" (Grablegung), zwischen 1526
und 1528, ein Triumph an metaphysischer Leuchtkraft und leuchtenden Farben.
Holzschnitzerei
Gehen wir die Via Guicciardini weiter
in Richtung Piazza Pitti. Hier können wir im Vorbeigehen Schaufenster
verschiedener Geschäfte und Gebäude, die in der Nachkriegszeit
errichtet wurden, mit ihren Innenhöfen, die zur Via Barbadori und
dem Vicolo dei Ramaglianti führen, ansehen. In einem der Häuser,
das mit einem Gedenkschild versehen ist, starb der große Niccolo`Machiavelli,
während auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, im
Palazzo Benizi, später Guicciardini, San Filippo Benizi und der Historiker
Francesco Guicciardini auf die Welt kamen.
Wenn man das erste Stück der
Via dello Sprone entlanggeht, erreicht man einen kleinen Platz, Piazzetta
della "Passera" genannt, im "Herzen" des Viertels, wo sich die antiken
Straßen, die noch heute die Kultur der florentinischen Handarbeit
bewahren, kreuzen.
Feinbearbeitung eines Druckes
In den anliegenden Gassen können
wir die Welt der Rahmenvergolder, der Renovierer von Metallgegenständen,
der Schmiede und der Eisenklopfer entdecken. Und dann muß man einfach
in die Werkstätte der Holzschnitzer eintreten, um eine unvergeßliche
Erfahrung zwischen Märchen und Wirklichkeit zu erleben.
Wenn man Via Toscanella weitergeht,
deren Namen von der Familie des Mathematikers Paolo Dal Pozzo Toscanelli
abstammt, erleben wir noch heute den Scharm des volkstümlichen Florenz
von Giovanni Boccaccio und Ottone Rosai. Von dem Sdrucciolo de´Pitti
aus betreten wir den prächtigen Platz, der von dem Umfang des berühmten
florentinischen Palastes beherrscht wird.
Die, von Luca Pitti gewollte Residenz
aus dem vierzehnten Jahrhundert, wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten
vergrößert, um Sitz der Medici, der Lorena und der Savoia zu
werden. Heute ist der Palazzo Pitti einer der wichtigsten Ausstellungsorte
der Stadt. Hier befinden sich zahlreiche Museen von Weltruhm, die dem Besucher
eine große Auswahl an Ausstellungen anbieten: die prachtvolle Pinakothek
der Galleria Palatina, die mit den prunkvoll eingerichteten Wohnungen verbunden
ist, das Museum degli Argenti mit Goldschmuck, Edelsteinen, Elfenbein der
Kollektionen, einst in Besitz der Medici und der Lorena, die prachtvolle
Galleria d’Arte Moderna (Gallerie der Modernen Kunst), l’Andito degli Angiolini
(Engelskorridor), der für Themenausstellungen vorgesehen ist, die
Wohnungen der Herzogin von Aosta und des Prinzen von Neapel, das Museum
delle Carrozze, die Kollektion Contini Bonacossi und das Museum del Costume
in der Palazzina della Meridiana.
Auf der gegenüberliegenden
Seite des Palazzo Pitti befinden sich zahlreiche Werkstätten und Geschäfte,
einige davon antiker florentinischer Tradition: Ateliers, in denen marmoriertes
Papier und Mosaikarbeiten aus hartem Stein hergestellt werden, Buchhandlungen,
Cafes und Antiquitätengeschäfte.
Je nachdem, wieviel Zeit man hat,
kann man in Richtung der Piazza San Felice und Via Romana weitergehen,
um direkt das Museum della Specola zu erreichen. Oder man kann gemütlich
im mediceer Boboli - Garten spazieren gehen, ein echtes Eden der bewundernswerten
Architektur, das gut 28 Hektar mißt. Die Grotte des Buontalenti,
das Amphitheater, das Kaffeehaus, das Porzellanmuseum mit dem Giardino
del Cavaliere (Garten) und dem Brunnen dell’"Oceano" (Ozeanbrunnen) auf
dem Isolotto - Platz machten und machen den Boboli - Garten berühmt. |
Die Arbeit des Bronzebearbeiters
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Ganz unten: Boboli
Der Palazzo von Bianca Cappello
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Von der Via Romana aus
erreicht man das Museum Specola (Sternwarte). Der eigenartige Name kommt
von dem astronomischen Observatorium, das der Granduca Pietro Leopoldo
di Lorena erbauen ließ. Im ersten Stockwerk des Palastes wurde auf
Wunsch des Leopoldo II die "Tribuna" (Tribüne) des Galileo errichtet.
Im oberen Stockwerk sind die einzigartigen zoologischen Kollektionen und
die wertvollen Sammlungen der anatomischen Wachs - Präparate ausgestellt,
die von Gaetano Zumbo und Clemente Susini realisiert wurden.
Gehen wir dann in Richtung der San
Felice in Piazza - Kirche weiter, von deren Existenz schon 1066 belegt
wurde. Sie gehörte den Benediktinern, den Kamaldulensern, die sie
im vierzehnten Jahrhundert von Michelozzo
renovieren ließen und letztendlich den Dominikanerinnen von San Piero
Martire. Im Inneren sind bedeutende Kunstwerke aufbewahrt, u.a. ein großes
"Kreuz", das Giotto zuerkannt wird. In der Mitte des Platzes wurde eine
Säule wiederaufgestellt, die Cosimo I in Gedenken an seinen Sieg bei
Marciano (1554) errichten ließ. Bei der Straßennummer 8 des
Platzes erinnert ein Marmorschild die englische Dichterin Elizabeth Barrett
Browning, die hier 1861 starb. |
Gehen wir nun Via Maggio entlang in
Richtung der Brücke Santa Trinita, um dann vom Borgo San Jacopo zur
Ponte Vecchio zurückzukehren. Zwischen riesigen aristokratischen Palästen
und einer langen Reihe von "Schaufenstern aus der Vergangenheit", eröffnet
sich vor unseren Augen eine Szenerie bedeutender künstlerischer Zeugnisse.
Hier können wir den Palazzo Bianca Cappello, Geliebte und später
Braut des Francesco I, bewundern; dieser wurde von Bernardino Poccetti
mit Groteskmalerei verziert und ist eines der elegantesten Gebäude
der Straße und eines der schönsten von Florenz.
An der Kreuzung mit Via dello Sprone
erstreckt sich Borgo San Jacopo, geschmückt mit einem kleinen Brunnen
mit Maske und einem hübschen Balkon. Borgo San Jacopo, eine der ältesten
Straßen des Oltrarno, ist heute endlich eine Fußgängerzone
für alle.
Zahlreiche mittelalterliche Türme,
die den letzten Weltkrieg "überlebt" haben , ragen stolz in den Himmel
und verleihen der Straße einen besonderen Scharm. Auf der rechten
Seite befindet sich der Torre dei Marsili; dieser Turm zeigt auf seiner
Fassade eine "Verkündigung" in Terrakotta (gebrannter Ton) und weiter
seitlich unterbricht ein grüner Fleck das okra-braun der finsteren
Türme aus dem zwölften Jahrhundert der Familien Belfredelli und
Ramaglianti.
Auf der anderen Seite der Straße
befindet sich die San Jacopo Soprarno Kirche, Pfarrkirche des Gonfalone
(Fahne) "Muschel". Ursprünglich romanisch, wurde sie mehrmals umgeändert,
sowohl außen, als auch im Inneren. Der Bogengang vor der Kirche kommt
von San Donato a Scopeto und wurde an der heutigen Stelle 1575 errichtet.
Auf dem Arno spiegeln sich die Apsis der Kirche und der Glockenturm aus
dem sechzehnten Jahrhundert mit den originalen, anliegenden Bauten wider.
Seitlich des Turms der Barbadori
erstreckt sich ein bescheidener kleiner Platz, mit Blick auf die Ponte
Vecchio. Von hier kann man die schönste Sicht auf die Brücke
genießen; außerdem sieht man die Gebäude, die sich auf
beiden Seiten den Arno entlang erstrecken und die, die alten Bauten imitierend,
in der Nachkriegszeit erbaut wurden. |