Diese
Tour schlängelt sich entlang der Straßenachse zwischen Porta
Romana und Piazza Frescobaldi; wir werden dabei die antiken Straßen
der Gonfaloni (Fahnen) des Oltrarno (linke Seite des Arnos) entlanggehen.
Der Gonfalone Ferza (Peitsche) schloß eine weite Fläche innerhalb
der Stadtmauer mit ein: von der Porta Romana bis zum Forte Belvedere und
Costa San Giorgio, Via Guicciardini, lo Sdrucciolo de´ Pitti, Piazza
Santo Spirito, Via delle Caldaie, Via della Chiesa und Via dei Serragli
bis zur Piazza della Calza.
Die antike Porta Romana
wurde San Pier Gattolino benannt, nach dem Namen einer Kirche aus dem dreizehnten
Jahrhundert, die 1545 zerstört wurde. Das Tor ist wahrhaftig eindrucksvoll,
sowie auch die Mauer neben dem Tor. Diese ist von Türmen, zur Verteidigung
der Stadt vor Angriffen, unterbrochen und führt bis zum Forte Belvedere
fort. Sie trennte einst den Boboli-Garten vom Land; im achtzehnten Jahrhundert
wurde dort von Poggi die Viale dei Colli abgesteckt. In den Ex-Stallungen
der Herrscher Italiens befindet sich heute das Kunstinstitut der Porta
Romana mit der Gipsfigurensammlung, eine der wichtigsten Sammlungen Italiens.
Vor dem Tor steht die sonderbare
Skulptur von Michelangelo Pistoletto "Kehrtwendung". Innerhalb der Stadtmauer,
auf der Piazza della Calza, kann man die Gabelung der zwei Straßen
in Richtung Stadtmitte erkennen: Via dei Serragli und Via Romana. An der
Fassade des Gebäudes, das auf die Porta Romana zeigt, gab eine Freske
aus dem sechzehnten Jahrhundert von Giovanni da San Giovanni, den Willkommensgruß.
Diese Freske ist dann durch eine modernere von Mario Romoli ersetzt worden.
Auf der Seite der Via dei Serragli
erblickt man die Kirche von San Giusto della Calza und das Kloster, einst
der "Ingesuati" genannt, mit dem Speisesaal, der 1514 von Franciabigio
bemalt wurde. |
Porta Romana (Tor)
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Betreten wir nun Via Romana, die immer
noch eine gewisse Lebendigkeit beibehält, dank der Händler und
Handwerker, die hier ihre Werkstätten haben. Dann erreichen wir die
Serumido-Kirche, die sich an dem Ort befindet, an dem früher San Pier
Gattolino stand. Die Kirche ist so in Erinnerung an einen großmütigen
Handwerker benannt worden, der an ihrem Wiederaufbau Ende des fünfzehnten
Jahrhunderts mitwirkte. Seitlich befindet sich die weitläufige neoklassische
Loggia des reizvollen Gartens, englischen Stils, mit dem Namen Corsi, später
in Scarselli umbenannt. Weiter vorne, immer auf der linken Seite der Straße,
befindet sich das "Casa di Annalena" (Haus der Witwe des Baldaccio, Truppenführer
und Sieger der Schlacht bei Anghiari) mit den Räumen des antiken Klosters,
die in Wohnungen umgewandelt sind. Eine Baumschule für Schmuckpflanzen
stellt ein weiteres wichtiges Beispiel für die handwerkliche Produktion
des Viertels dar.
Die Kunst der Marionetten
Jetzt erreichen wir die reizvolle
Via Santa Maria, in der, Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, das Goldoni-Theater
in neoklassischem Stil errichtet wurde, das nach einer langdauernden Renovierung
wieder benutzbar ist.
Gehen wir nun in die Via delle Caldaie,
um die Piazza Santo Spirito zu erreichen. Dabei überqueren wir Via
del Campuccio und Via della Chiesa. Diese lange Querstraße des Arnos
ist voller Werkstätten und verschiedener handwerklicher Aktivitäten.
Die Kreuzung zwischen Via delle
Caldaie und Piazza Santo Spirito wird "Canto dei Dati" genannt, nach dem
Namen der Familie, die für ihre blühenden Geschäfte und
ihre religiösen Hilfstaten bekannt war.
Piazza S. Spirito (Platz)
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An der gegenüberliegenden
Kreuzung, zwischen Piazza Santo Spirito und Via Mazzetta, ragt der aristokratische
Palazzo Guadagni mit seinen schlichten Fassaden und hohem Bogengang hervor;
dieser wurde von dal Cronaca für die Familie Dei Anfang des fünfzehnten
Jahrhunderts bemalt. Gehen wir nun ein kurzes Stück diese Straße
entlang, bis zur Seitenfassade der Kirche von San Felice, und biegen dann
nach links in den Borgo Tegolaio ein. Der Name sagt uns, daß sich
hier die Brennöfen des florentinischen "cotto" (Backstein) befanden,
während heute hauptsächlich das Handwerk der Holzbearbeitung
ausgeübt wird.
m Florenz des vierzehnten Jahrhunderts
beschäftigten sich viele Werkstätten mit der Herstellung und
der Dekoration der Mitgifttruhen; viele Künstler und Architekten waren
so auch Holzschnitzer. Noch heute bieten die Handwerker in Borgo Tegolaio
und Umgebung sowohl die Renovierung von antiken Möbeln, als auch die
handgefertigte Herstellung von wertvollen Stilmöbeln an.
Wenn man die Via del Presto di San
Martino weitergeht, kann man auf der einen Seite den Blick auf die rechte
Fassade der Basilika Santo Spirito genießen und auf der anderen Seite
einige der geschicktesten Möbelrenovierer und Kupferbearbeiter begegnen. |
Auf der, von Bäumen beschattenen
Piazza Santo Spirito, dort, wo das "stolze Florenz seinen ganzen Hochmut
vergißt", erhebt sich in eindrucksvoller Weise die Augustiner-Kirche
Santo Spirito, deren Bau auf die Mitte des zwölften Jahrhunderts zurückgeht.
Im darauffolgenden Jahrhundert wurde sie erweitert und dann, in der zweiten
Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, nach der Skizze des Brunelleschi
wiedererbaut. Die nackte Fassade aus dem siebzehnten Jahrhundert mit dem
schablonenartigem Umriß, bewegte viele Künstler dazu, kreative
Anregungen zu erstellen, deren phantasiereiche Darstellungen heute die
Räume eines Cafes des Platzes ausschmücken.
Der Innenraum der Kirche ist würdevoll,
feierlich, mit einem fortlaufenden Säulengang aus toskanischem Stein,
der sich um den Hauptaltar, die Kirchenschiffe, die Transepte und die Apsis
entlangwindet. Brunelleschi zeichnete die Kirche um 1444, aber sie wurde
nicht von seinen Nachfolgern nach seinem höchst innovativem Schema
zu Ende geführt. Der Umfang ist von 38 halbkreisförmigen Seitenkapellen
unterbrochen; diese Kapellen enthalten eine richtige Pinakothek: Altarbilder,
Antependien und Skulpuren, zum größten Teil aus dem XV und XVI
Jahrhundert. Unterhalb der Kuppel, von Brunelleschi gezeichnet und von
Salvi d’Andrea ausgeführt, befindet sich die marmorne Abgrenzung des
Hauptaltars, ein barockes Werk des Giovanni Caccini, an sich wertvoll,
aber in Dissonanz mit dem Architekturstil des vierzehnten Jahrhunderts.
Von großem Interesse ist die Vorhalle mit Tonnengewölbe und
die Sakristei, beide von Giuliano da Sangallo gezeichnet.
Wenn man aus der Kirche auf den
Platz tritt, zieht der Glockenturm des Baccio d’Agnolo, hoher und robuster
Wachturm des Oltrarno, die Aufmerksamkeit auf sich. Im Refektorium mit
Hängeboden aus dem dreizehnten Jahrhundert ist noch ein Fragment des
"Letzten Abendmahls" des Andrea Orcagna zu sehen; hier befindet sich das
Museum der Fondazione Romana.
Rahmen-Dekorateur
Auf dem Platz befinden sich außerdem
zahlreiche Lokale und Werkstätten, vor allem Huthersteller.
Von der Via Sant’Agostino begeben
wir uns nun in Richtung Via dei Serragli und gehen Via Maffia entlang.
So erreichen wir Via Santo Spirito. An der Kreuzung mit Via dei Serragli
wurde im sechzehnten Jahrhundert der riesige Palazzo Pecori - Rinuccini
erbaut, in dem sich Werke des Ticciati und des Zocchi, ein hübsches
"boudoir" aus dem siebzehnten Jahrhundert und ein entzückendes Theater
aus dem achzehnten Jahrhundert befinden.
In einem der Gebäude, die sich
auf der anderen Seite der Straße befinden, wurde Francesco Ferrucci
geboren, der Held der letzten Florentinischen Republik, der bei Gavinana
umkam (1530).
Diese Straße wurde stets von
Diplomaten, Künstlern und russischen, deutschen und vor allem englischen
Intellektuellen bevorzugt. Neben den Herrschaftshäusern der Machiavelli,
der Vettori, der Manetti, der Pitti-Bocciolini, finden wir den Palazzo
Frescobaldi, der sich damit rühmt, einen kleinen Balkon, "coretto",
zu haben, von dem aus man den Innenraum der Santo Spirito Kirche sieht.
Entlang der Straße befinden
sich eine Reihe von Werkstätten und Läden verschiedener Art,
aber vor allem Antiquitätengeschäfte. Dem Besucher, der etwas
mehr Zeit hat, können auch die Werkstätte der Handwerker interessieren,
die Etuis und Schachteln aus Leder herstellen, sowie auch die Silberbearbeiter
und Holzdekorateure.
Der Besucher darf auch das Schauspiel
des zauberhaften Gartens, der sich in seiner ganzen Helligkeit hinter den
Palazzi Frescobaldi und Manetti und seitlich der Apsis und des Glockenturms
von Santo Spirito ausbreitet, nicht verlieren.
Am Ende der Tour finden wir in Piazza
Frescobaldi die üblichen Abbilder der mediceischen Großherzöge
auf der dekorativen Fassade aus dem sechzehnten Jahrhundert des Palazzo
della Missione, der im achzehnten Jahrhundert Sitz des Marine-Ministeriums
wurde (1865-1871).
Am Anfang der Brücke, die 1557
von Ammannati erbaut wurde, befinden sich noch die originalen Statuen des
"Autunno" (Herbsts) von Caccini und des "Inverno" (Winters) des Landini.
Die michelangelo-artige Brücke, die von Lapini 1570 als "schön,
vage und ausgelassen" bezeichnet wurde, wurde 1944 zerstört und 1958
wiedererbaut. Man kann sie heute in ihrer harmonischen Linee und dem Original
treu bewundern..
Ponte Santa Trinita (Brücke)
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