"Gonfalone
del Drago" (Die Fahne des Drachens) nahm die ganze Oberfläche, zwischen
dem Stück Arno, das von der Santa Trinita-Brücke bis zum Torrino
Santa Rosa geht, die antiken Mauern, die diesen mit der Porta San Frediano
verbindet, Porta Romana (zum großen Teil noch bestehend zwischen
Viale Ariosto und Viale Petrarca), Via degli Serragli bis zur Via della
Chiesa, Via delle Caldaie, Via del Presto di San Martino und Piazza Frescobaldi
ein. Es war einer der größten Gonfaloni, mit einer Bevölkerung,
die zum größten Teil aus Arbeitern bestand, die aus der ländlichen
Umgebung stammten.
Um den Scharm von San Frediano und
alle seine charakteristischen Ecken vollends zu genießen, schlagen
wir vor, Via dei Serragli als Grenze zum anschließenden Gonfalone
zu betrachten.
Ponte alla Carraia (Brücke)
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Die Tour beginnt bei der Brücke
Ponte alla Carraia, die Anfang des zwölften Jahrhunderts erbaut, 1944
zerstört und in den fünziger Jahren wieder aufgebaut wurde.Von
der Piazza Nazario Sauro aus, auf der die Familie Soderini zahlreiche Häuser
besaß, geht man den Lungarno entlang, von dem aus man die Gärten
der berühmten Familie sieht. Die Mauer des Seminario Maggiore entlang,
erreicht man Piazza del Cestello, von der man einen wunderschönen
Blick auf die Ognissanti-Kirche und auf die herrschaftlichen Häuser
rechts des Arnos hat. Die westliche Seite des Platzes ist durch den massiven
"Granaio" (Getreidespeicher) des Cosimo III, der 1695 erbaut wurde, abgeschirmt. |
| Die Kirche von San Frediano in Cestello
mit seiner nackten Fassade in Backstein wurde am Ende des sechzehnten Jahrhunderts
von Antonio Ferri errichtet, der sie mit der eleganten Trommelkuppel und
dem kleinen Glockenturm vervollständigte. Diese ersetzte die kleine
Kirche von Santa Maria degli Angeli, die Teil des Klosters war, in dem
die heilige Maria Magdalena de´Pazzi, vor dem Umzug der Karmeliterinnen
von Borgo San Frediano nach Borgo Pinti, lebte. |
Ganz oben: San Frediano in Cestello
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Im Inneren geben die Dekorationen und
Stuckverzierungen der Kirche ein festlichen und gefälligen Eindruck.
Verschiedene Künstler arbeiteten an der Ausschmückung, u.a. Pier
Dandini, Camillo Sagrestani, Alessandro Gherardini, Domenico Gabbiani,
Matteo Bonechi und Francesco Curradi.
Einfache Häuser mit malerischen
Fassaden grenzen den südlichen Teil des Platzes ab.
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Webstuhl für Seide
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Wenn man die Via del Piaggione entlangläuft,
erreicht man die Via und die Piazza del Tiratoio; ein Name, der eine Werkstatt
der Webkunst in Erinnerung ruft, in der die gekrempelten, gesponnenen,
gewebten und gefärbten Wollstoffe ausgebreitet und getrocknet wurden.
Anschließend überquert
man Via Sant’Onofrio (Schutzheiliger der Weber), von der aus man die Brücke
Ponte A. Vespucci erreicht und betritt dann die Via Lorenzo Bartolini,
Straße, in der es keine besonderen Sehenswürdigkeiten gibt und
in der sich einst der Schlachthof der Stadt befand. Hier haben ihre Werkstatt
einige Möbelrenovierer und bekannte Handwerker der Seidenkunst und
der Silberverarbeitung. |
Es werden hier außerdem wertvolle
Seidenstoffe hergestellt, nach der Tradition aus dem vierzehnten Jahrhundert,
als Florenz mit gut 83 Seidenkunst-Werkstätten berühmt für
seine Brokatarbeiten war. Es handelte sich um "wunderschöne Seide
von hohem Wert, aus der Seidentücher, Goldbrokat, Damast,- Atlasstoff
und Taft hergestellt wurden..." In einer anderen Werkstatt werden einzigartige
Silberstücke, natürlich ausschließlich handangefertigt,
hergestellt. Die Künstler verfolgen die antiken Techniken der unregelmäßigen
Ziselierkunst, die von Cellini und den Goldschmieden der Renaissance angewendet
wurden.
Am Ende der Straße erblickt
man die alte arnulfische Mauer und, rechts, den Torrino di Santa Rosa mit
dem großen Tabernakel, das eine schöne Freske, die Ridolfo Ghirlandaio
zuerkannt wird, einrahmt.
Wenn man sich stattdessen nach links
wendet, breitet sich die Erweiterung der Piazza Verzaia aus; dieser Platz
besitzt seinen Namen aufgrund der grünen Gemüsegärten, die
sich in der Nähe befinden. Hier erhebt sich auch die würdevolle
Porta di San Frediano, die 1334 erbaut wurde, vielleicht nach der Zeichnung
von Andrea Pisano. Die antiken genagelten Türklopfer, die Eisenringe
und an der Oberseite die Lilie, Symbol der Stadt, existieren noch.
Die Arbeit des Keramikers
Jetzt schlagen wir den Borgo San
Frediano ein, wo man auf Handwerker stößt, die Gegenstände
aus Papier, Leder und Keramik herstellen, Schuster, die Schuhe nach Maß
anfertigen und sogar einen Geigenbauer. Dann überquert man Via San
Giovanni mit ihren typischen "armen" Häusern und erreicht Piazza de´
Nerli. Um diesen Platz herum befinden sich die Straßen der Cardatori
(Krempler) und Tessitori (Weber), die die Namen ihrer alten Berufe beibehalten
haben. Die Via del Drago d’Oro (Straße des goldenen Drachens) ruft
stattdessen den Namen des antiken Gonfalones hervor; diese Straße
ist in etwa das Reich der Trödler, der kleinen Antiquitätenläden,
der Schmiede und der Bronzearbeiter,- und Händler.
Von der Via dell’Orto aus, schlagen
wir Via di Camaldoli ein, die ihren Namen von dem Kloster bekommen hat,
das im XII Jahrhundert von den Mönchen, Anhänger des Heiligen
Romualdo, errichtet wurde. In Florenz wies der Name "Camaldoli" auf die
ärmsten Gegenden hin, in denen die Weber, die Hechler, die Krempler
und auch viele Maler, wie Bicci di Lorenzo, der Pesello, Bonaiuto di Giovanni
und Benozzo di Lese, bekannt unter dem Namen "Il Gozzoli", wohnten. Nach
dem Angriff auf Florenz, 1530, zogen die "Camaldoli" weg und das Kloster
trat schwierigen Zeiten entgegen. Es wurde in Armenkrankenhaus umgewandelt,
während ein Teil des Klosters in das sogenannte Conventino (kleines
Kloster), oder San Francesco di Sales Institut, dessen Zugang sich in der
Viale Ariosto befindet, umgenannt wurde.
Heute befinden sich im Ex-Kloster
in Via Camaldoli verschiedene Lager, ärztliche Einrichtungen und Werkstätten.
In der Straße befindet sich außerdem eine Werkstatt, die im
Fortepiano-Reparieren (Vorgänger des Klaviers) spezialisiert ist,
und ein Konzertsaal.
Via dell’Orto und Via di Camaldoli
waren außerdem bis in die siebziger Jahre berühmt für die
Verarbeitung von Kutteln, die in großen Holzkesseln gekocht wurden;
mit dem Kochwasser wurde die "Brühe" hergestellt, die von den Handwerksburschen
in Flaschen gekauft und noch heiß in den Werkstätten des ganzen
Viertels getrunken wurde. |
Pferde der Kutscher
in den Ex-Stallungen der Viale Petrarca
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Erreichen wir nun Piazza Torquato Tasso,
ein Platz, der in Richtung Bellosguardo 1912 geöffnet wurde und dann
in den dreißiger Jahren bis zur Via della Chiesa vergrößert
wurde.
In Viale Petrarca und entlang deren
Mauern befanden sich bis vor nicht allzu langer Zeit die Kutschen und die
Pferde der Kutscher, während sich an der Ecke, zwischen Via del Leone
und Via della Chiesa, die Kopie eines schönen Tabernakels befindet,
das Giottino zuerkannt wird. Am Anfang der Straße, in der Volkspension,
die auf der Rückseite der Piazza del Carmine erbaut wurde, kann man
eine der schönsten Fresken des Meisters Luciano Guarnieri, die den
Arno und sein Tal darstellt, bewundern.
Wir gehen dann weiter, Via del Campuccio
entlang, um Via dei Serragli zu erreichen; links sehen wir Volkshäuser
aus dem achtzehnten Jahrhundert und, rechts, die Mauer des Torrigiani-Gartens,
einer der größten privaten Gärten Florenz (fast sieben
Hektar) "ein echtes Naturgebiet inmitten der Stadt".
An der Ecke zu Via dei Serragli
ist das Oratorium des antiken Klosters Sant’Elisabetta delle Convertite
wiedereröffnet worden und in Istituto degli Artigianelli umgenannt
worden.
Wenn man Via dei Serragli entlanggeht,
überquert man Via della Chiesa; an der Ecke befindet sich ein Tabernakel
mit der Freske der "Madonna col Bambino e Santi" (Gottesmutter mit Kind
und Heiligen) des Cosimo Ulivelli (1668). Dann erreicht man die enge und
ruhige Via dell’Ardiglione und anschließend Via Santa Monaca. Bei
dem Bogen, del Papi genannt, erinnert ein Schild an das Geburtshaus des
großen Malers Fra’ Filippo Lippi.
In Via Santa Monaca, in den Gebäuden
des Ex-Agostiner-Klosters, von Cosimo Ulivelli bemalt, starb Camilla Martelli,
die zweite Frau von Cosimo I.
Daraufhin erreichen wir den "Canto
alla Cuculia", an der Kreuzung mit Via dei Serragli, um das hübsche
Tabernakel mit dem Abbild der "Madonna col Bambino e Santi" zu bewundern,
das von Lorenzo di Bicci gemalt wurde.
Wenn man Via dei Serragli bis zum
Arno entlang geht, kann man die schönen Herrschaftshäuser Mazzei,
Pallavicini und Rosselli bewundern. Außerdem befinden sich in diesem
Stück Straße zahlreiche Läden, Trödler und Bronzebearbeiter.
An der Kreuzung zwischen Borgo Stella und Borgo San Frediano ragt das massive
Gebäude des Palazzo Del Pugliese, der später an den Marchese
Feroni ging, hervor, mit einem weitläufigen Hof und einem großen
Garten.
Von dem Borgo Stella aus betreten
wir Piazza del Carmine, um unsere Tour im Tempel der italienischen Malkunst
zu beenden: die antike Kirche Santa Maria del Carmine bewahrt in der Renaissance
- Kapelle Brancacci die berühmten Fresken von Masaccio, Masolino und
Filippino Lippi auf. Die barocke Cappella Corsini mit den Meisterwerken
des Foggini und des Luca Giordano, die Kirche, die nach 1771 wiederaufgebaut
wurde, die Sakristei und das ganze Kloster sind sicher einen aufmerksamen
Besuch wert.
Chiesa del Carmine (Kirche)
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